Werke 2015 sind raus!

Werke 2015

Es ist soweit. Lieber zu spät als nie. Lesen, bitte.

Werke 2015
Werke 2015
werke-2015.pdf
1.0 MiB
249 Downloads
Details
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-G1122-0600-047,_Deutschland,_Judenverfolgung.jpg

menschen wandern

jeden montag
schleichen sie durch die straßen
die braven bürger von dresden
haben angst
angst wovor?
wir fragen sie
nur keiner von ihnen
hat keine antwort

völlig unwissend
dass sie angst haben
vor einem prozess
der sie hierher brachte
sie haben angst
das menschen wandern

wo einst doch
ganze völker wanderten
wird nun das natürlichste am menschen
zum recht

das recht zieht mauern hoch
hinter denen sich
die braven bürger dresdens
verschanzen:
das recht der stärkeren
das recht der wohlhabenderen
das recht der klügeren

montags streifen
die braven bürger
durch jene stadt
die einst
selbst in höchster not
tausende aufgenommen hat

sie sprechen millionen andere worte
wie in einem chor
nur, dass sie selbst nicht wissen
was sie sagen

das abendland
meinen sie
sei in gefahr
sei dem untergang geweiht
die braven bürger dresdens
haben ihre wurzeln vergessen
die geschichte ihrer stadt
sie sind blind
vor wohlstand

die braven bürger dresdens
sind laut und wütend
sie verachten das menschliche
doch zum glück
sind sie nicht das volk

01.01.2015
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Holbein_Danse_Macabre_33.jpg

der alte

jeden sommermorgen
sitzt er am straßenrand
in seinem stuhl
schaut den leuten entgegen
blickt ihnen hinterher
pafft er hinaus
woran er sich erinnert
er denkt
oder einfach nur rauch
sein blick erzählt mir
dass er die tage zählt
ich denke
mag er allein sein
ob er noch offene rechnungen hat
ich denke
kaum weiter
gehe vorbei
die schwester kommt
und nimmt ihn mit

25.04.2015
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Peter_Paul_Rubens_158.jpg

der freie wille

der freie wille
ist ein bröckelnder fels
den wir hoffnungsvoll
in den ewigen strom des schicksals werfen
um darauf zu balancieren
vom andern ufer winkt
die freiheit uns hinüber
das wir frei werden
auf halber strecke
gehen uns die steine aus
der lahme strom
duftet plötzlich
nach honig und milch
leichter wird es
von sekunde zu sekunde
hinein zu sinken
hinfort zutreiben

11.04.2015
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Amazing_Stories_Volume_01_Number_12.pdf?uselang=de

move move move

sie locken dich
das ist die chance
ein großer kannst du werden
richtig asche machen
groß rauskommen
dickes auto
hübsche püppie
tolle freunde
leichte mädels (als provision)
so rufen sie es millionen zu
und verschweigen:
den künstlich organisierten überlebenskampf
kotze! hunger! glätte dich!
bis zur unkenntlichkeit
befolge ihre regeln
erniedrige dich, erhebe dich über andere
zeit ist geld
das geld haben sie
also bestimmen sie deine zeit
beeile dich
die plätze sind schnell ausverkauft

23.03.2015
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sylvestre_Le_Sac_de_Rome_1890_extrait.jpg

die schweine

sie drehen die steine
sie schleifen die klingen
sie schlachten die schweine
sie fletschen die zähne
teilen die gebeine
sie ferchen zusammen
sie schwingen die peitsche
sie blasen zur jagd

und du sitzt da
an deinem frühstückstisch
an dem du
dein brötchen ißt
denkst so nach
lenkst dich davon ab
den stall zu sehen
im dreck zu wühlen
lieber ein schwein sein
als sich als mensch zu fühlen

01.04.2015
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ferdinand_Hodler_-_Die_Wahrheit_II_-_1903.jpeg

die eine

alle menschen suchen sie
die eine
die einzigartig
die wundervolle
von der alle sprechen
nach der alle rufen
und sich verirren
man erzählt von ihr
als sei sie der heilige kral
geschichten ranken sich um sie
doch:
keiner fand nur ein haar von ihr
die menschen suchen süchtig
erlösung suchend
nur sucht keiner nach ihr
ein jeder möchte der eine sein
der eine der sie fand
manche behaupten
sie sei schön und herrlich
doch sie ist auch: roh und hässlich

so irren menschen
durch ihr leben
die eine zu finden
ewig stöbernd im gedankenmeer
bei allem suchen
hätten sie schon finden können:
bei sich selbst
und die wahrheit ist:
die deine

01.04.2015
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fernand_Khnopff_002.jpg

berührung

ich wünschte
ich gleite
durch das leben
und jeden mensch
der sorgenvoll
seine schultern hängen lässt
der im alltag
unscheinbare wege begeht
um nicht erkannt zu werden
wie traurig er ist
ich wünschte
ich berührte sie
all die menschen
so leicht
dass sie’s kaum merkten
und all ihre sorgen
wären vergessen

16.03.2015
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Macke_-_Salto_mortale_in_Circus.jpg

salto über der stadt

während ich mich geländer halte
halte ich dich
und du hältst es
seine hand berührt die wolken
so sachte, dass es aussieht
als stocher es in zuckerwatte
über der stadt
balancieren wir
in der luft
ein lächeln huscht über unsere gesichter
ein kleiner familienzirkus
der sich von nun an
durch’s leben schwingt
von zeit zu zeit
werden wir straßen und wege benutzen
aber wir werden uns
niemals zum affen machen lassen

16.03.2015
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pandora.jpg

ein sturm

ein sturm
bricht los
der uns auseinandertreibt
weil einer von uns
die büchse öffnete
aus der er kam
heult durch die äste
drückt das gras zu boden
windet sich
wie eine schlange um meinen hals
kein wort mehr findet zu dir
er rankt
um meinen körper
wo meine arme
nach dir greifen wollen
die dunkelheit des schweigens
breitet sich aus
am nächsten morgen
wird die verwüstung offenbar:
eine schneise kleider
führt zum bett
und bei mir liegst du.

26.12.2014
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Spielregeln_Streichelzoo_Landau.JPG?uselang=de

ich und du

wir haben uns
durch betonklötze gekämpft
wo betonköpfe enthemmt
uns geistig beklemmt
auf ein leben vorbereitet haben
auf das wir nun nicht vorbereitet sind
wir sind über gleise gesprungen
an hauswänden hoch
haben mit wilden tieren gerungen
aufregend war es
fahren mit angezogener handbremse
dachten wir
wann lassen sie uns endlich raus
oha
zeugnis, abschluss, das muss es sein

jetzt endlich
job, kohle, freundin, kind
alles läuft wie geschmiert
was kommt jetzt?
was kann uns jetzt noch überraschen?
wir waren wilde im streichelzoo
weil sie uns sagten
das leben wird rau und hart

und nun?
es ist auch nur ein weiterer streichelzoo
wo jedes abenteuer
so verläuft
dass wir nicht viel falsch machen können
armes leben
vor allem kein erleben
eher ein abhaken
durch den schlick des alltags waden

da stell ich mir
die sinnfrage
will ich 80 jahre
statist sein
oder kommt da noch etwas
geht da noch was?

aber was?
zurück in den dschungel?
fortschritt negieren?
die uhrzeit zur urzeit zurückdrehen?

oder:
sich verabschieden
vom monopol der arbeit
sie reduzieren
lernen zu teilen
sich zu mäßigen
wahrlich
die anderen menschen
dieser welt
auf unser maß hieven
deren großeltern
wir unseren reichtum verdanken
(darüber spricht ja keiner,
dass der „westen“ – also wir –
seinen reichtum
auf bergen von leichen und diebesgut errichtet hat)
dass wir endlich
frei sein können
und vor allem:
leben

09.11.2014
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gregor_Baci.jpg

dein weg

klingeln
alle raus!
alle jubeln
aber einer bleibt draußen

klingeln
alle raus
alle jubeln
aber zwei bleiben draußen

klingeln
alle raus
alle jubeln
aber drei bleiben draußen

klingeln
es ist aus

du sollst deinen weg gehen
aber niemand lässt dich ziehen
die landschaft zugepflastert
mit zeigefingern und besorgten gesichtern
mit verbots- und hinweisschildern

halten dich alle fest
und versuchen nach dir zu greifen
du sollst ja deinen weg gehen
aber schön auf dem einen bleiben

deine eltern lieben dich
sie lieben dich auch für sich
weil eltern nunmal ihre kinder lieben müssen
wenn sie dich ziehen ließen
könnte ja jemand sagen:
sie seien raben und beschissen

deine lehrer helfen dir
sie helfen dir auch für sich
denn ohne dich
gäbe es auch lehrer nicht
so dreht der sinn:
die schule sei für kinder da
die kinder sind in wirklichkeit für die schule da

dein arbeitgeber bezahlt dich
er bezahlt dich auch für sich
weil er eine idee hat
für die keiner leben mag
die keine wurzeln hat
und keinen mehrwert schafft
er kann nichts dafür
er hat es nicht anders gelernt
er ist nicht der einzige
der sich vom mensch sein entfernt

01.11.2014
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fliegende_Schweine.jpg?uselang=de-formal

die trittleiter führt immer nach unten

bauarbeiter schlägt
mit dem vorschlaghammer
einen holzpflock
in den betonblock
grimmig haut er zu
hau zu!
als wäre der pflock
eines buhlers kopf
seine wut verleiht ihm kräfte!
oder er ist nur das ende
der nahrungskette
tagtäglich schlägt er
immer mehr unerträglich
hebt an und schmeißt ihn
gegen das splitternde holz
jeden tag
schlägt er ihn hinein
immer ein stückchen tiefer
so soll es sein

23.09.2014
http://bibi.ougenpeyn.de/?tag=nebelkrahe

deutschland verrecke

deutschland verrecke
ist der hitlergruß
der antifaschistischen aktion
gleichbedeutend
mit der botschaft
als adolf sich die kugel gab
wozu den staat
wenn freiheit
alles regeln kann?
wozu ordnung
wenn der stärkste und klügste immer siegt?
„links“ wie „rechts“ gibt es wenig denker
noch weniger aktivisten
die den menschen ernst nehmen
sie jagen ihn lieber
in ihren köpfen und konzepten
durch presswürste
mit dem wunsch
ihn zu veredeln
und alles was er dadurch wird:
roh.

02.09.2014
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fragonard,_The_Swing.jpg

ohne euch

heute ist ein tag
ein umzug ohne kisten und kartons
kein rauswurf
eher ein gehen lassen
ohne tränen und zögern
gewissheit öffnete die tür
ohne euch
komme ich ab jetzt besser klar
als geliebte lies ich euch herein
als freunde geht ihr nun
aber ich bleibe nicht allein:
auf einer weißen wolke
schwebt sie
sehnsüchtig wartet sie auf mich
sehnsüchtig freue ich mich
mich zu ihr hinauf zu schwingen

02.09.2014
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mann_mit_dem_Goldhelm.jpg

Unser aller Gold

Alkohol ist das Gold der Arbeiter
Bücher sind das des Bürgertums
Ämter, das der Aristokratie

31.05.2014

31.05.2014
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Georges_de_La_Tour_023.jpg

als wäre ich bei dir

ein samenkorn
umhergepustet vom wind des schicksals
das auf dem boden deiner träume landet
quillt und keimt
an einem schattigen plätzchen
von deinem bewusstsein
völlig unbemerkt
das geschöpf
könnte alles sein
wichtig wäre, ich sähe dich
wie du bist
dich niemals gibst
und wäre immer bei dir

19.06.2014

19.06.2014
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Z%C3%BCnd_Bauern_mit_Ochsengespann_beim_Eggen.jpg

zeit umzudenken

ihr habt leicht reden!
schweigen und beten!
euer wort untermauert
mit waffen und raketen
klar verständlich für jeden:
du bist nur wer
mit moneten

was ihr überseht
ist der untergang
der euch bevorsteht
denn der wind dreht
so unglaubwürdig
wie ihr die leute anfleht
dass jeder „arbeiten“ und „wählen“ geht
damit das rad sich weiterdreht
wir wenden uns ab
eine schweigende mauer
die ihr nicht versteht

wir leben geduldig
im kleinen
versuchen uns zu finden
als versehrte unter blinden
so dass wir als menschen
unser leben bestimmen
wir wollen selbst entscheiden
für uns und vor ort
wollen uns vertraut bleiben
dass wir immer auch die konsequenzen tragen
die heutzutage viel zu oft
in die falschen kreise ragen.

22.06.2014

22.06.2014
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Henriette_Ronner-Knip_Esel_und_Hahn_im_Stall.jpg?uselang=de

die last auf deinen schultern

frei kannst du werden
wenn du die last abwirfst
die seit kindheitstagen
auf deinen schuldern liegt
die du freilich nicht mehr spürst
du dich dran gewöhnt
wie der esel
an die ziegelsteine
wozu den balast tragen?
wenn du frei bist
kannst du selbst
ein teil der freiheit sein

07.04.2014

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Paul_Schad-Rossa_-_In_die_Unendlichkeit.jpg

grenzen der moderne

zwei dimensionen
versteht der moderne homo sapiens nicht
oder
kann er nicht vertragen
besser: ertragen
den zufall und
die unendlichkeit

04.04.2014

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Arnold_Lyongr%C3%BCn,_Auf_bl%C3%BChender_Heide.jpg

volk ohne zukunft?

mein volk will seine ruhe
bloß keinen ärger!
verschreckt von der brutalität
seiner seele gegenüber dem fremden
benommen von dem hass
gegen sich selbst
ein volk voller meider
ignoranten von möglichkeiten
mein volk will seine ruhe!
konflikte sind ihm eine last
du könntest ihm das herz rausreißen
es würde still halten
seine wunden lecken
könntest ihm den kopf abschlagen
ein rückgrat hat es ohnehin nicht mehr
seine befreiung
war das grundgesetz
dass es mit füssen tritt:
es könnte ja hoffnung schenken
auf ein stolzes land

03.04.2014

http://www.welt.de/kultur/theater/article7145316/Auf-der-Suche-nach-dem-Geist-des-Hodler-Jodlers.html

lebewohl

lebewohl heißt lebe wohl
meint doch sinnlich
auf nimmer wiedersehen
ein hauchfeiner schnitt
teilt eine seele in zwei
und doch wünscht es
lebe gut
das ohne den anderen schwer möglich
jedoch so nötig erscheint
an ort und stelle
gereinigt und poliert
bereit zum einsatz:
das skalpell

21.03.2014

https://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=2855&_ffmpar[_id_inhalt]=16596073

draußen

häuser werden zu
meterhohen mauern
licht aus ihren fenstern
zu scheinwerfern
lattenzäune stacheldraht
straßen zu gräben
fette graue wolken
schwermütig und tieffliegend
schieben sich wie betonplatten
über diese stadt
alles ist leise
nur irgendwo
ein balk, der schreit
wir leben in einem käfig
ja, sehr recht!
die tür steht immer offen
nur was nützt’s
wenn dahinter
eine wüste liegt

16.03.2014

Aussicht

Wer auf alles Rücksicht nimmt,
blickt nie nach vorn.

11.03.2014

https://www.direkteaktion.org/213/das-arbeitsleben-ist-mehr-als-der-job

eher als das glockengeläut

drei menschen
halb sechs
an der bautzner
die straße leer
ein feiner düster morgennebel
die kälte frisch und schlagfertig
die läden dicht
im dunkeln ruht der kirchturm
ein waches auge
über die dächer gleiten lässt
noch ehe die glocken läuten
stehe ich an der haltestelle
so früh aus dem bett
bedarf es nur zweier gründe
die arbeit oder
der harndrang

28.02.2014

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:US_Navy_040729-N-6939M-008_The_facility_where_the_Combatant_Status_Review_Tribunals_%28CSRT%29_will_take_place_for_detained_enemy_combatants.jpg

die sieben

sie sieben
egal wer wen berührte
wer braun war
oder nur mit braun gesprochen hat
wer rot war
oder nur mit rot zu tun gehabt
egal wer mit wem
in welchem zusammenhang
ob zu überleben
oder nach höherem streben
ob auf ewig verbunden
oder nur im vorbeigang
sie sieben
die einstmaligen klassenfeinde
die einzelschicksale
das sieb ist hinüber
verrostet und rissig
darunter steht in der buchstabensuppe:
die hohen tiere haben meistens weiße westen
für die die kleinen fische
grade stehen müssen

25.02.2014

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:KAS-Freiheit-Bild-13366-3.jpg

regenbogenfahnen verbrennen

was wäre
wenn deutschland
erneut einer tyrannei verfiele
unser diktator
weiblich wäre
homosexuell
und im rollstuhl säße?

könnten wir uns dann wehren
durch die flucht
in den frauenwitz
oder wäre es ein zeichen
von freiheit
stießen wir sie samt rollstuhl um
wäre es tragbar
– vorausgesetzt der wandel träte ein –
regenbogenfahnen zu verbrennen und
darum zu tanzen

wie weit ließen wir uns verführen
wenn unsere werte
die gleichsam unsere schwächen sein können
benutzt würden
uns uneingeschränkt zu beherrschen?

24.02.2014

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Louis_Douzette_-_Das_Feuer.jpg

der mond und sein geheimnis

schimmernde wolken
ein dunkelblauer himmel
erhaben vom vollen, kräftigen mond
eine landkarte
die nur die eule lesen kann
nur ein kurzer augenblick
der einblick gewährt
bäume suchen ihre heimat
träume der nachtwachen
fließen entlang der ufer
am grund liegen edelsteine
ländereien der besitzlosen
gleiten vorbei
die mondlose nacht
hütet ein geheimnis
das nur der mond
zu offenbaren weiß

14.02.2014

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:ToniAll_Belastung.jpg?uselang=de

flucht

taub stehen meine füße auf der erde
was ich nur weiß
da ich noch sehen kann
ich atme
was ich nur weiß
weil ich sehe
wie meine brust sich hebt
es vergehen die tage
was ich nur spüre
wenn der schlaf mich bezwingt
ich schlinge
statt zu essen
ich weiß noch nicht
warum
die zeit verrinnt
für alle dinge
es gibt keine flucht
trotz dieser erkenntnis
scheine ich zu fliehen
wovor? und warum?

08.02.2014

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Punch_1843_-_Reichtum_und_Armut.png

winterkorn, teilen!?

seit mein bruder mich fragte
wer wohl am meisten verdient
in unserem land
fiel mir dein name
als zahl ein
staunte selbst
wie lang es gedauert hat
sie auszusprechen
ich in gedanken versunken
fragte er weiter
was du so machst
ich zuckte mit den schultern
ratlosigkeit
am ende reichte mir eine frage
den rettenden ast
aus dem schäumenden meer der maßlosigkeit
welche arbeit rechtfertigt dein salär?
angebot und nachfrage?
arbeitsleistung und -güte?
bekanntheit und vokabular?
konten und kontakte?
kann der mensch selbst
nicht grenze seines reichtums sein?

04.02.2014

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gro%C3%9Fe_Eiche_-_Johann_Georg_Walte_-_Bremen_-_um_1870.jpg

glaube an mich

ich bin angekommen
du wirst mich erkennen
an den zarten, hellgrünen blüten
im frühling
an der krone
die weithin strahlt
die dich zu mir führt
dein weg wird steinig und schwer
aber auch sicherer
mit jedem schritt
denn meine wurzeln
werden ihn dir stärken
wenn du mich berührst
dann wirst du reden können
ich werde dir zuhören
ich gebe dir anlass
in dich zu kehren
du wirst antworten auf deine fragen finden
du kannst weinen und lachen
mein schatten wird dir schutz spenden
und mein stamm wird dich stützen
du findest einen weg an meiner seite
ich strecke meine finger
danach aus
solange du an mich glaubst
werde ich für dich da sein

02.02.2014

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:CarracciHercules.jpg

im angesicht

im angesicht
des zweifels
zwischen zwei menschen
hören die ohren mehr
als die augen sehen

02.02.2014

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Chodowiecki_Basedow_Tafel_25_a.jpg

über leute mit kindern und/oder haustieren

wenn ich so leute seh
die mit ihrem haustier gassi gehen
oder die ihre kinder vor sich her schubsen

ich schreite es den leuten gern in die fresse
dass sie es kapieren
ehe ich mich vergesse:
dein haustier ist nicht dein kind
dein kind nicht dein vieh

beide sind nicht deine „affen“
die auf kommando grimassen machen

31.01.2014

nichts, das ich wüsste

der holocaust
von der menschlichen katastrophe
zur tatsache
zum geschichtskapitel
zur randnotiz
zur erinnerung
ja da war mal was
war da nicht mal was?
nichts, das ich wüsste

27.01.2014

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Der_Asen_Untergang_by_Karl_Ehrenberg.jpg?uselang=de

ohne uns ist sie tot

das volk herrscht doch
und trotzdem
hör‘ ich viele leute schrei’n:
„das darf nicht sein!“
mehr demokratie wagen
habe ich leute reden hören sagen
nur: die es können, wagen es nicht
die sich wagen, können es nicht
bleibt alles ein traum?
die realität indes
zappelt am baum
wir, du und ich
sind ihr gesicht
fehler machen wir
fehlbar ist auch demokratie
sie wird sterben
wenn keiner von uns sie schützt
sie wird zusammenbrechen
wenn keiner von uns sie stützt

24.01.2014

asphalt

wo der asphalt endet
endet auch meine welt
in der ich mich
mit leichtigkeit bewege
förmlich schwebe
wie ein clownfisch
durch das korallenriff
in der salzigen see
unbeschadet all der stürme
die dort oben toben
die massen um sich schmeißen
solange ich mich im unterholz des meeres aufhalte
bin ich sicher, scheinbar:

wo der asphalt endet,
beginnt die ungewissheit,
kargheit und mitleidlosigkeit
thronen draußen
im dunkeln
einmal verirrt
finde ich mich wieder
im leeren ozean
zwischen sand und wasseroberfläche
nichts.
atmen wird meine einzige gewissheit sein
mit etwas pech gerate ich
in einen schwarm treibender algen
in dessen finsternis
ich mich verliere

wo der asphalt endet
stehe ich
die stadt im rücken
vor mir:
die geduldig wartende mutter

22.01.2014

auf meinen schultern

die schneelast
unter der meine schultern ächzen
zehrt an meiner seelenkraft
droht mich zu verletzen

an meinen schuhen
nagt eises kälte
lässt micht nicht ruhen
beim leben das ich wählte

dunkel ist der morgen
spät erst taucht die sonne auf
wenn sie nicht schon ertrinkt
in einem grauen wolkenmeer

ich treibe
wie ein schneetropfen
in der hoffnung
mich irgendwo festzuhalten

ich werde weder brechen
noch stürzen
wäre nicht das erste mal
dass sorgen drohten
mein leben zu verkürzen.

22.01.2014

sterne in der nacht

sterne mit ihren silberstreifen
um dein antlitz kreisen
mich dazu verleiten
vor dir zu verweilen
licht in deiner seele zu sehen
worte zu hauchen
zarte brisen leicht verwehen
gesten zu gebrauchen
die nur liebende verstehen

06.01.2014

und die straßen

die straßen
sind leer
lustlos klotzen laternen
auf’s pflastermeer
stille schleicht auf weichen sohlen
um die häuser
die hohen
die nacht legt ihre schwingen
über die straßenschluchten
die kälte ihre schlingen
in die hintersten häuserbuchten
der wind kickt gelangweilt
eine dose
die straße runter
einen kurzen augenblick nur
wird die ödnis munter
die träge ihren fetten wanst
zur seite schiebt
sich dreht
aufbläht
in der gosse rumliegt

die ersten sonnenstrahlen
krabbeln hinter den dächern hervor
tilgen das schwarz, das grau
suchen nach regung, nach leben
in den hintersten winkeln
jedes mal kehren sie um
enttäuscht
von einer kalten stadt
die seit ewigkeiten
kein leben mehr gesehen hat

06.01.2014

was ist, wenn

träume entzaubern
phänomene erklären
fantasien einfangen
zweifel mehren

ich will
also bin ich frei
wissen wollen
aber glauben bezweifeln
tatsachen feststellen
zutreffendes vom möglichen trennen

in stein meiseln
statt in sand schreiben
das unumstößliche suchen
das vergängliche: bedeutungslos

menschen sterben täglich
die menschen aber
leben ewig

03.01.2014

wie milchhaut

meine seele
wie milchhaut
eingehangen
in einem knochigem gewölbe
halben lebens stärke
holt mich die vergangenheit ein
auch die gegenwart
wirft fragen auf
ich spüre einen reiz
zu weinen
einen drang zu fliehen
ich wanke nur noch nicht
und spüre kein taumeln
warte ich
auf das schlagwetter
das so zutrifft, eintritt
ebenso wie das glück
es donnert
regentropfen klopfen ans fenster
blitze erhellen die dunkelheit
um die meine gedanken kreisen
es ist meistens leichter zu gehen
als zu bleiben

01.01.2014

die erde unter unseren füßen

wir werden das blättern verlernen
wie einst das ackern
werden das denken verlernen
wie einst das fragen
vor dem reich gedeckten tisch werden wir hungern
wir werden jammern und klagen
egal wohin die moderne uns führt
es bleibt stets die gleiche erde
unter unseren füßen
die uns berührt

21.12.2013

mensch, befreie dich

mensch, befreie dich
aus dem käfig
den du nicht siehst
von den ketten
die du nicht spürst
schnappe nach der reinen luft
die dich umspült

bewaffne deinen geist mit kenntnis
verwerfe die hoffnung auf das paradies
wenn du wirklich frei bist
bist du bereits da
und du einer, der es genießt

21.12.2013

aufbruch

nur die verstoßenen
müssen fliehen
müssen wandern
auf der flucht vor dem system
und wenn schon aufbruch!
umsonst!
ersetzt er den "diktator"
durch einen ander'n!

21.12.2013

die graue, gelbe menschenmasse

die graue, gelbe menschenmasse
wälzt sich durch ihre lebenszeit
hofft auf ein baldiges ende
– ein schnelles ist ja ein tabu! –
das sie befreit

trinker kreisen um laternen
arbeiter knüppeln ihre leiber
angestellte starren in flimmerkästen

wieviele millionen generationen
an hoffnungen hat man bereits begraben

den schwindel zu erkennen
und weiterzutragen
ist schwerer in diesen tagen:

lebe mensch, sei kein rädchen
nimm dir, was du zum leben brauchst
die ganz großen, glaube es mir,
tun es auch!

10.12.2013

in einem bett

an einem bett
bedeckt mit glitzernd weißem stoff
ein kanu ins reich der toten
erinnere ich mich
an die säulen
die um uns ragten
den stein der dich stemmte
friedlich schliefst du
in der wiege
der ewig ruhenden
verstand es nicht
kein atemzug war mehr zu hören
kalt und fad war deine haut
nur zaghaft durfte ich dich berühren
wollte ich dich umarmen
ich wollte dich am liebsten wachrütteln
soviel dass ich dich
auch heute noch fragen wollte
stimmt es, dass wir uns an die toten erinnern
die uns weisheiten hinterlassen?
wo warst du als alle männer weg waren und aufeinander schossen?
wer warst du, bevor wir uns kennenlernten?
heute, nahezu jahrzehnte später
ist das alles immer noch wirklich
ich hoffe du bist drüben
bei den anderen
ich hoffe
ich kann dich eines tages wiedersehen

08.11.2013

Mann, erwachend

Und er erwachte.
Er erwachte.
Nein, er
öffnete seine Augen.
Er öffnete seine Augen zögernd nur.
Als wären sie beschwert.
Er dreht sich um,
sein Körper kramt die Decke hervor,
verschwindet darunter.
Er krümmt sich.
Es sieht aus,
als trieb es ihn zurück,
als robbte er über den Strand zurück ins Meer der Träume.
Er greift wage um sich das Kissen suchend.
Er wirft es über seinen Kopf,
dass die Welt stumm wird.
Das Licht, dass durch’s Fenster hineinfällt,
verfehlt ihn vollkommen,
denn seine Sehnsucht
nach einer anderen Wirklichkeit zerrt ihn hinüber.
Er kämpft krampfhaft gegen die Übermacht, die sein Geist ihm gegenüber ist.
Er erwachte. Erwachte,
In seinem Traum.

15.10.2013

warum menschen

warum tragen menschen hohe schuhe?
warum tragen sie schminke?
tragen sie gold und silber
dass es nur so blinke?

warum reden menschen abgehoben?
warum tragen sie die nase zu weit oben?
warum blicken sie hernieder?
erkennen sie sich wieder?

warum tragen menschen feine kleider?
warum foltern sie ihre leiber?
warum achten menschen auf sitten?
ist es leichter sich etwas zu verbitten?

warum spielen menschen rollen?
warum werden sie depressiv?
ist es nicht das leben, dass sie wollen
oder geht alles schief?
die menschen gibt es nicht
wie wir sie gerne hätten
nicht in dieser kneipe
in den mäulern die zigaretten

23.09.2013

der pflaumenbaum

neben dem supermarkt
auf einem flecken wiese
stand ein schöner pflaumenbaum
wuchs und wuchs
trug und trug
menschen kamen
jahre gingen
niemand, der sich bückte
niemand, der nach oben griff
bis heute steht der baum voller pflaumen
sind es menschen
die an ihm vorübergehen
aber aus einem unbekannten grund
können sie ihn nicht sehen.

11.09.2013

der zufall

der zufall
ist ein alter herr
er zockt die ganze zeit
während menschen
nach gründen suchen
ist er zu allem bereit

würfeln ist sein liebster zeitvertreib
geduldig wartet er
auf einen zug
auf den er mit mut
aufspringt

im dampf der kneipe
ist er glücklich
dass er singt

07.10.2012

ein frischer morgen

ein frischer morgen
gewaschen vom regen der nacht
unter der grauen wolkendecke
glotzt ’ne rote sonne
an die häuser
an der ampel
vereinzelt menschen
und der duft
von parfum

26.08.2013

verborgen bleibt

mit dem rücken zum brunnen
stehst du
mit einem cent in der hand
deine augen geschlossen
wünschst du dir etwas
das mir verborgen bleibt
ich stehe vor dir
mit nichts in der hand
ich sehe dich an
und wünsche mir
nichts sehnlicher
als dass ich ihn dir erfüllen kann

25.08.2013

maria & joseph

maria & joseph
– ein übliches paar
sie fühlte sich wie ein promi
er wie ein star

jung und voller träume
schwebend und versetzen bonsaibäume
immer glücklich und mit glitzer
auf der sonnenseite im sportlichen zweisitzer

es musste kommen
was kommen musste
ein kind war unterwegs
von dem erstmal keiner wusste

maria wurde nervös und nervöser
josephs ego
kleiner und adipöser

maria suchte etwas halt
und fand eine fantasie dergestalt:
eigentlich auch ganz niedlich
so ein ding
erweckt schließlich
aufmerksamkeit wie ein diamantenring
speckige backen hat’s auch
und einen knuddeligen bauch

joseph, angesichts seiner blässe,
straffte durch und öffnete die fresse:
ich werde vater,
ich bin jetzt wer!
ich trau mich auch
zu ungeschütztem geschlechtsverkehr!

das kind schlüpfte
die freude war riesengroß
gesund und munter
welch‘ schönes los!

bereits nach ein paar tagen
wird den beiden klar:
ein kind zu haben
ist nicht nur wunderbar

maria hat schon augenringe
er nur noch blick für andere dinge
weil das kind quängelt und schreit
ratlos stehen sie vor seinem leid

ja, es scheint nicht so niedlich
und schon gar nicht friedlich
nach sieben tagen am stück:
maria, joseph und das vermeintliche glück,
brüllt maria in ihrer not:
joseph, schlag es endlich tot!

12.08.2013

ein paar tage lang

die wellen schlagen hoch
ein sturm treibt die wolken
peitschend vor sich her
doch wir sitzen oben
die sonne erstrahlt die weiße insel
und zwei strahlen mit ihr
hand in hand
am strand entlang
alles erscheint wie der große fang
wenigstens:
ein paar tage lang.

31.07.2013

zwei fische

zwei fische
in einem wahrhaftig
riesigen ozean
schwimmen aufeinander zu
immer gerade zu

eine astronautin, oben,
über der sphäre
sieht sie wandern
aufeinander zu
versteckt
hinter ihrem visier
fliegt ein liebevolles lächeln
über ihre lippen

zwei fische
sie eilen und schwimmen
durch einen gigantischen ozean
ohne dass sie voneinander wissen
schwimmen sie aufeinander zu
immer gerade zu

ein pilot fliegt
unter dem dach
eines strahlend blauen himmels
über das meer
er sieht die zwei fische
und kann sich
ein schluchzen nicht verkneifen
sie erinnern ihn
an etwas längst vergessenes

zwei fische
jagen durch diesen
tiefen, geheimnisvollen ozean
sie irren nicht
sie taumeln nicht
schwimmen aufeinander zu
immer gerade zu

eine möwe kreist flach
über das wasser
dass kaum platz ist
zwischen gefieder und wellenbergen
sie sieht die fische
kräht aus güte
und lässt sie ziehen

zwei fische
auf ihrem weg
durch das nasse universum
dass sie nie voneinander wussten
in der weite und tiefe
schwimmen sie aufeinander zu
immer gerade zu
und doch:
aneinander vorbei

10.07.2013

was passieren wird

ich bin dumm!
die ganze zeit
versuche ich
mir vorzustellen
was wohl passieren wird
wenn ich mich in dich verliebe

doch es ist schon zu spät.

07.07.2013

wir, hier oben

durch die straßen
ziehen gläubige
eine prozession

hier oben warten
sitzen wir

der blaue himmel schwindet
die gläubigen predigen
schreiten durch die gassen

hier oben warten
sitzen wir

ein donnerschlag in der ferne
eine pechschwarze wolkenwand
die gläubigen zelebrieren
sie surren ewige verse

hier oben warten
sitzen wir

der tag ist dunkler als die schwärzeste nacht
die gläubigen flüchten
in ihre gotteshäuser

hier oben warten
sitzen wir

mit einem knall
berstet der himmel
ein sturm bricht los
es regnet flüße
straßen werden zu wildwassern
schwelen zu rettenden ufern

hier oben warten
sitzen wir

wir hören schreie
qualvolle und aufopfernde
wir sehen
wie es die ersten leichen
aus den fenstern quetscht

hier oben warten
sehen wir

wie gott seine kinder zu sich holt

hier oben warten
sitzen wir
oben auf dem dach

13.04.2013

aus dem nebel der vergangenheit

eisenketten wiegen schwer
auf meinen schultern
graviert darin sind bilder
aus alten zeiten
ich zerre an den ketten
breche an ihnen
eine knorrige, verweste hand
streckt sich mir entgegen
aus dem nebel der vergangenheit
greift mich am kragen
schüttelt mich
so dass all die furcht und angst
zurückkehrt
wie kann man schreckliches vergessen
doch sich an geschehenes erinnern?

08.04.2013

die bahn

die bahn schleicht vorbei
am palaisplatz
niemand lässt sie halten
niemand steigt aus
mitten in einer großstadt
während der himmel
den abend zeigt
gibt es einsame menschen
an einem ort voll von davon

08.04.2013

sonnenstrahlen

sonnenstrahlen streicheln mich
blendend über mein gesicht
als tröstete die sonne mich
von angesicht zu angesicht
vom ufer meiner erinnerungen
stoße ich ein boot ab
in den nebel des vergessens
schweigend stehe ich da
seh euch hinaustreiben
ihr hattet keinen grund
mehr zu bleiben
die wirklichkeit hat die träume vom hof gejagt
alles was bleibt?
ein bisschen hoffnung
etwas leere
bisschen erlösung
und etwas leid

15.03.2013

All I can say

I can’t say a word
And I can’t say two
All I can say
Is just I love you

21.02.2013

Maria’s Bett im 3. Stock

sie wartet
während sie die glut
ihrer zigarette
mit einem atemzug
erhellt
im türrahmen
wie so üblich abends
dass ihre kunden
chronisch mittellos
bis gesellschaftliche sterne
maria’s beine
umgarnt von schwarzem nylon
bis rauhe hände
von ihren schenkeln streifen
die sich den fantasien öffnen
männer meistens
maria’s brüste
sind ihre kissen
sie schlafen, ruhen
wenn ihre arme sie umschlingen
sie steht an der tür
der flur offen
weithin sichtbar
bis zur haustür
eine warme nacht
dringt durch die fenster
maria nimmt einen zug
und denkt:
noch zwei stunden
feierabend
endlich zurück
bei meinem mann
und den kindern

11.02.2013

ich wünschte

ich wünschte
ich könnte dir sagen
aber ich kann es nicht
ich könnte es nicht ertragen
wenn dieses licht erlischt:
in meiner fantasie,
bist du meine prinzessin,
meerjungfrau und göttin

ich wünschte
ich könnte dir sagen
aber ich kann es nicht
in meinen gedanken
habe ich dich bei mir
immerfort im jetzt und hier

ich wünschte
ich könnte dir sagen
aber ich kann es nicht
die wirklichkeit ertragen
am ende verletzt sie mich

29.01.2013

Eine Erkenntnis

Die Erkenntnis des technischen Fortschritts:
das Technik kein Fortschritt ist.

18.01.2013

erst verrecken die bienen

erst verrecken die bienen
dann geht allen das wasser aus
dann sterben wir
oder
erst geht allen das wasser aus
dann verrecken die bienen
anschließend sterben wir
jedenfalls
immer
ist der mensch am ende

15.01.2013

am fußende

am fußende
meines bettes
sitzt eine schöne frau
voller träume
und fantasien
sie weint und
hält einen zettel
in der hand
auf dem steht:
sorry, ich bin abgebrannt

14.01.2013