https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-G1122-0600-047,_Deutschland,_Judenverfolgung.jpg

menschen wandern

jeden montag
schleichen sie durch die straßen
die braven bürger von dresden
haben angst
angst wovor?
wir fragen sie
nur keiner von ihnen
hat keine antwort

völlig unwissend
dass sie angst haben
vor einem prozess
der sie hierher brachte
sie haben angst
das menschen wandern

wo einst doch
ganze völker wanderten
wird nun das natürlichste am menschen
zum recht

das recht zieht mauern hoch
hinter denen sich
die braven bürger dresdens
verschanzen:
das recht der stärkeren
das recht der wohlhabenderen
das recht der klügeren

montags streifen
die braven bürger
durch jene stadt
die einst
selbst in höchster not
tausende aufgenommen hat

sie sprechen millionen andere worte
wie in einem chor
nur, dass sie selbst nicht wissen
was sie sagen

das abendland
meinen sie
sei in gefahr
sei dem untergang geweiht
die braven bürger dresdens
haben ihre wurzeln vergessen
die geschichte ihrer stadt
sie sind blind
vor wohlstand

die braven bürger dresdens
sind laut und wütend
sie verachten das menschliche
doch zum glück
sind sie nicht das volk

01.01.2015

2 Gedanken zu „menschen wandern

  1. Roni

    Ich bin auch ein Bürger Dredens, noch, allerdings kann ich mich in deinem Gedicht nicht wiederfinden. Ich bitte daher um eine deutlicher Differenzierung, also nich alle Bürger Dresdens, bitte.

    Diese dynDNS-Kiste funktioniert wieder nicht.

    Antworten
    1. Erik

      Hi Roni,

      ne, du bist damit auch nicht gemeint. Der Ausdruck „brave Bürger“ ist sozusagen eine Umdeutung der Wortgruppe „besorgte Bürger“ (Aliteraion), so wie sich die Menschen nennen, die sich hinter den Forderungen von PEGIDA versammeln.

      Gruß
      Erik

      Antworten

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