Archiv für das Jahr: 2014

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Spielregeln_Streichelzoo_Landau.JPG?uselang=de

ich und du

wir haben uns
durch betonklötze gekämpft
wo betonköpfe enthemmt
uns geistig beklemmt
auf ein leben vorbereitet haben
auf das wir nun nicht vorbereitet sind
wir sind über gleise gesprungen
an hauswänden hoch
haben mit wilden tieren gerungen
aufregend war es
fahren mit angezogener handbremse
dachten wir
wann lassen sie uns endlich raus
oha
zeugnis, abschluss, das muss es sein

jetzt endlich
job, kohle, freundin, kind
alles läuft wie geschmiert
was kommt jetzt?
was kann uns jetzt noch überraschen?
wir waren wilde im streichelzoo
weil sie uns sagten
das leben wird rau und hart

und nun?
es ist auch nur ein weiterer streichelzoo
wo jedes abenteuer
so verläuft
dass wir nicht viel falsch machen können
armes leben
vor allem kein erleben
eher ein abhaken
durch den schlick des alltags waden

da stell ich mir
die sinnfrage
will ich 80 jahre
statist sein
oder kommt da noch etwas
geht da noch was?

aber was?
zurück in den dschungel?
fortschritt negieren?
die uhrzeit zur urzeit zurückdrehen?

oder:
sich verabschieden
vom monopol der arbeit
sie reduzieren
lernen zu teilen
sich zu mäßigen
wahrlich
die anderen menschen
dieser welt
auf unser maß hieven
deren großeltern
wir unseren reichtum verdanken
(darüber spricht ja keiner,
dass der „westen“ – also wir –
seinen reichtum
auf bergen von leichen und diebesgut errichtet hat)
dass wir endlich
frei sein können
und vor allem:
leben

09.11.2014
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gregor_Baci.jpg

dein weg

klingeln
alle raus!
alle jubeln
aber einer bleibt draußen

klingeln
alle raus
alle jubeln
aber zwei bleiben draußen

klingeln
alle raus
alle jubeln
aber drei bleiben draußen

klingeln
es ist aus

du sollst deinen weg gehen
aber niemand lässt dich ziehen
die landschaft zugepflastert
mit zeigefingern und besorgten gesichtern
mit verbots- und hinweisschildern

halten dich alle fest
und versuchen nach dir zu greifen
du sollst ja deinen weg gehen
aber schön auf dem einen bleiben

deine eltern lieben dich
sie lieben dich auch für sich
weil eltern nunmal ihre kinder lieben müssen
wenn sie dich ziehen ließen
könnte ja jemand sagen:
sie seien raben und beschissen

deine lehrer helfen dir
sie helfen dir auch für sich
denn ohne dich
gäbe es auch lehrer nicht
so dreht der sinn:
die schule sei für kinder da
die kinder sind in wirklichkeit für die schule da

dein arbeitgeber bezahlt dich
er bezahlt dich auch für sich
weil er eine idee hat
für die keiner leben mag
die keine wurzeln hat
und keinen mehrwert schafft
er kann nichts dafür
er hat es nicht anders gelernt
er ist nicht der einzige
der sich vom mensch sein entfernt

01.11.2014
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fliegende_Schweine.jpg?uselang=de-formal

die trittleiter führt immer nach unten

bauarbeiter schlägt
mit dem vorschlaghammer
einen holzpflock
in den betonblock
grimmig haut er zu
hau zu!
als wäre der pflock
eines buhlers kopf
seine wut verleiht ihm kräfte!
oder er ist nur das ende
der nahrungskette
tagtäglich schlägt er
immer mehr unerträglich
hebt an und schmeißt ihn
gegen das splitternde holz
jeden tag
schlägt er ihn hinein
immer ein stückchen tiefer
so soll es sein

23.09.2014
http://bibi.ougenpeyn.de/?tag=nebelkrahe

deutschland verrecke

deutschland verrecke
ist der hitlergruß
der antifaschistischen aktion
gleichbedeutend
mit der botschaft
als adolf sich die kugel gab
wozu den staat
wenn freiheit
alles regeln kann?
wozu ordnung
wenn der stärkste und klügste immer siegt?
„links“ wie „rechts“ gibt es wenig denker
noch weniger aktivisten
die den menschen ernst nehmen
sie jagen ihn lieber
in ihren köpfen und konzepten
durch presswürste
mit dem wunsch
ihn zu veredeln
und alles was er dadurch wird:
roh.

02.09.2014
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fragonard,_The_Swing.jpg

ohne euch

heute ist ein tag
ein umzug ohne kisten und kartons
kein rauswurf
eher ein gehen lassen
ohne tränen und zögern
gewissheit öffnete die tür
ohne euch
komme ich ab jetzt besser klar
als geliebte lies ich euch herein
als freunde geht ihr nun
aber ich bleibe nicht allein:
auf einer weißen wolke
schwebt sie
sehnsüchtig wartet sie auf mich
sehnsüchtig freue ich mich
mich zu ihr hinauf zu schwingen

02.09.2014

Mit dem Bus auf Rügen

Ein kürzlicher Busurlaub und die klammen Informationen des Internets haben mich dazu gebracht, dieses Bericht zu schreiben. Er handelt von meinen Erfahrungen und den Stellplätzen, die ich auf einer kleinen Bustour über die Insel Rügen gefunden habe.

Ursprünglich wollte ich mit meiner Freundin einen Campingbus chartern. Da wir uns aber zu spät gekümmert haben, sind wir auf die Idee gekommen, einfach einen Transporter zu mieten. Matraze hinten rein, Essen, Werkzeug und Nippes in Klappboxen und ab geht es.

Im Nachgang gefiel mir diese Lösung gut: großer Schlafraum und eine „hohe“ Decke.

Als Tranporter hatten wir einen VW TDI Transporter T4, fantastischerweise mit mehreren Schreiben im hinteren Bereich und einem Dachfenster. Diese Verglasung gefiel mir in sofern ganz gut, als dass sie mir einen guten Rundumblick erlaubt hat.

Unterwegs trafen wir einen Camper, der uns noch ein paar Tipps gegeben hat: wir hatten eine Kühlbox mitgenommen, die wir am Zigarettenanzünder angeschlossen haben. Nach zwei Tagen war die Batterie des Buses hin. Also: Wenn man einen Verbraucher mitnimmt, sollte man unbedingt eine zweite Batterie einpacken. Es gibt da wohl auch technische Vorrichtungen, die das Aufladen während des Fahrens erlauben.

Bezüglich des Essens: Wir waren der Meinung, da wir in Deutschland fuhren, dass wir durchaus frisches Essen mitnehmen konnten. Futtern wie bei Muttern sozusagen. Die Alternative heißt: Konserven einpacken, Trockenfutter und wenn frisches Essen, dann in solchen Portionen, die verzehrgerecht sind und wo wenig übrig bleibt.

Das hatten wir mit:

  • Kühlbox (34W, kühlt auf Umgebungstemperatur minus 15 Grad)
  • 5x4m Plane (ggf. zur Vergrößerung der überdachten Fläche)
  • Seile (in Zusammenspiel mit Plane und/oder Hängematte)
  • Hängematte
  • Zelt
  • Schlafsäcke (in einem Bus kann es nachts trotzdem sehr sehr kalt werden)
  • Campinggeschirr und -utensilien (Gaskocher, Lampen, Besteck etc.)
  • Klopapier
  • Müllsäcke
  • 20l-Kanister

Das hätten wir noch mitnehmen sollen:

  • Klappspaten für das kleine und große Geschäft
  • Kanister bzw. Beutel zum Duschen

Auf der Insel angekommen, begrüßte uns nachts erstmal ein richtig gewaltiges Unwetter. Das tat uns nichts an, wir suchten uns einen schönen Parkplatz und stiegen nach hinten. Licht aus, gute Nacht.

Unsere erste Übernachtungsmöglichkeit befand sich zwischen Bobbin und Sagard, hier südlich von Bobbin. Ein gepflegter Parkplatz mit Tischen, Bänken und Mülleimern.

Nicht genutzt, aber für interessant befunden, haben wir auch mehrere Parkplätze zwischen Glowe und Juliusruh. Tagsüber ist hier zwar ein Ticket zu lösen, aber ab 21 bis 8 Uhr ist das Parken kostenlos. Die Besonderheit an diesen Stellen ist der kurze Weg zum Strand (<300m).

Unsere zweite Übernachtungsmöglichkeit fanden wir auf der Suche nach dem Parkplatz Nordstrand, der inzwischen kostenpflichtig ist und bei dem das Übernachten explizit verboten ist (wobei vor Ort sich die Beschilderung widerspricht).

Der Standort hat eine Bank, jedoch keine Entsorgung.

Das – für uns – absolute Highlight ist dieser Stellplatz unweit der Siedlung Schwarbe: Bank und kurzer Weg zum Strand (<1000m) haben uns eine Weile dabehalten.

Alles in allem, war es eine sehr schöne Erfahrung. Was unglaublich entspannt, ist die gute Infrastruktur. Überall gibt es einen Supermarkt und Ausflugsziele sind über die ganze Insel verstreut.

Ich möchte an dieser Stelle noch etwas weitergeben: An den Stellplätzen sah es prinzipiell immer aufgeräumt aus. Wenn du mal mit dem Bus oder wie auch immer unterwegs bist, achte darauf, dass dein Übernachtungsort sauber und aufgeräumt bleibt.

Außerdem hilft das dabei, den ein oder anderen Stellplatz zu erhalten, weil die AnwohnerInnen keinen Grund haben, ihn für die Nutzung sperren zu lassen.

Ich hoffe, die Erfahrungen helfen dir weiter.

12.08.2014
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mann_mit_dem_Goldhelm.jpg

Unser aller Gold

Alkohol ist das Gold der Arbeiter
Bücher sind das des Bürgertums
Ämter, das der Aristokratie

31.05.2014

31.05.2014
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Georges_de_La_Tour_023.jpg

als wäre ich bei dir

ein samenkorn
umhergepustet vom wind des schicksals
das auf dem boden deiner träume landet
quillt und keimt
an einem schattigen plätzchen
von deinem bewusstsein
völlig unbemerkt
das geschöpf
könnte alles sein
wichtig wäre, ich sähe dich
wie du bist
dich niemals gibst
und wäre immer bei dir

19.06.2014

19.06.2014
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Z%C3%BCnd_Bauern_mit_Ochsengespann_beim_Eggen.jpg

zeit umzudenken

ihr habt leicht reden!
schweigen und beten!
euer wort untermauert
mit waffen und raketen
klar verständlich für jeden:
du bist nur wer
mit moneten

was ihr überseht
ist der untergang
der euch bevorsteht
denn der wind dreht
so unglaubwürdig
wie ihr die leute anfleht
dass jeder „arbeiten“ und „wählen“ geht
damit das rad sich weiterdreht
wir wenden uns ab
eine schweigende mauer
die ihr nicht versteht

wir leben geduldig
im kleinen
versuchen uns zu finden
als versehrte unter blinden
so dass wir als menschen
unser leben bestimmen
wir wollen selbst entscheiden
für uns und vor ort
wollen uns vertraut bleiben
dass wir immer auch die konsequenzen tragen
die heutzutage viel zu oft
in die falschen kreise ragen.

22.06.2014

22.06.2014
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Henriette_Ronner-Knip_Esel_und_Hahn_im_Stall.jpg?uselang=de

die last auf deinen schultern

frei kannst du werden
wenn du die last abwirfst
die seit kindheitstagen
auf deinen schuldern liegt
die du freilich nicht mehr spürst
du dich dran gewöhnt
wie der esel
an die ziegelsteine
wozu den balast tragen?
wenn du frei bist
kannst du selbst
ein teil der freiheit sein

07.04.2014

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Paul_Schad-Rossa_-_In_die_Unendlichkeit.jpg

grenzen der moderne

zwei dimensionen
versteht der moderne homo sapiens nicht
oder
kann er nicht vertragen
besser: ertragen
den zufall und
die unendlichkeit

04.04.2014

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Arnold_Lyongr%C3%BCn,_Auf_bl%C3%BChender_Heide.jpg

volk ohne zukunft?

mein volk will seine ruhe
bloß keinen ärger!
verschreckt von der brutalität
seiner seele gegenüber dem fremden
benommen von dem hass
gegen sich selbst
ein volk voller meider
ignoranten von möglichkeiten
mein volk will seine ruhe!
konflikte sind ihm eine last
du könntest ihm das herz rausreißen
es würde still halten
seine wunden lecken
könntest ihm den kopf abschlagen
ein rückgrat hat es ohnehin nicht mehr
seine befreiung
war das grundgesetz
dass es mit füssen tritt:
es könnte ja hoffnung schenken
auf ein stolzes land

03.04.2014

http://www.welt.de/kultur/theater/article7145316/Auf-der-Suche-nach-dem-Geist-des-Hodler-Jodlers.html

lebewohl

lebewohl heißt lebe wohl
meint doch sinnlich
auf nimmer wiedersehen
ein hauchfeiner schnitt
teilt eine seele in zwei
und doch wünscht es
lebe gut
das ohne den anderen schwer möglich
jedoch so nötig erscheint
an ort und stelle
gereinigt und poliert
bereit zum einsatz:
das skalpell

21.03.2014

https://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=2855&_ffmpar[_id_inhalt]=16596073

draußen

häuser werden zu
meterhohen mauern
licht aus ihren fenstern
zu scheinwerfern
lattenzäune stacheldraht
straßen zu gräben
fette graue wolken
schwermütig und tieffliegend
schieben sich wie betonplatten
über diese stadt
alles ist leise
nur irgendwo
ein balk, der schreit
wir leben in einem käfig
ja, sehr recht!
die tür steht immer offen
nur was nützt’s
wenn dahinter
eine wüste liegt

16.03.2014

Aussicht

Wer auf alles Rücksicht nimmt,
blickt nie nach vorn.

11.03.2014

https://www.direkteaktion.org/213/das-arbeitsleben-ist-mehr-als-der-job

eher als das glockengeläut

drei menschen
halb sechs
an der bautzner
die straße leer
ein feiner düster morgennebel
die kälte frisch und schlagfertig
die läden dicht
im dunkeln ruht der kirchturm
ein waches auge
über die dächer gleiten lässt
noch ehe die glocken läuten
stehe ich an der haltestelle
so früh aus dem bett
bedarf es nur zweier gründe
die arbeit oder
der harndrang

28.02.2014

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:US_Navy_040729-N-6939M-008_The_facility_where_the_Combatant_Status_Review_Tribunals_%28CSRT%29_will_take_place_for_detained_enemy_combatants.jpg

die sieben

sie sieben
egal wer wen berührte
wer braun war
oder nur mit braun gesprochen hat
wer rot war
oder nur mit rot zu tun gehabt
egal wer mit wem
in welchem zusammenhang
ob zu überleben
oder nach höherem streben
ob auf ewig verbunden
oder nur im vorbeigang
sie sieben
die einstmaligen klassenfeinde
die einzelschicksale
das sieb ist hinüber
verrostet und rissig
darunter steht in der buchstabensuppe:
die hohen tiere haben meistens weiße westen
für die die kleinen fische
grade stehen müssen

25.02.2014

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:KAS-Freiheit-Bild-13366-3.jpg

regenbogenfahnen verbrennen

was wäre
wenn deutschland
erneut einer tyrannei verfiele
unser diktator
weiblich wäre
homosexuell
und im rollstuhl säße?

könnten wir uns dann wehren
durch die flucht
in den frauenwitz
oder wäre es ein zeichen
von freiheit
stießen wir sie samt rollstuhl um
wäre es tragbar
– vorausgesetzt der wandel träte ein –
regenbogenfahnen zu verbrennen und
darum zu tanzen

wie weit ließen wir uns verführen
wenn unsere werte
die gleichsam unsere schwächen sein können
benutzt würden
uns uneingeschränkt zu beherrschen?

24.02.2014

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Louis_Douzette_-_Das_Feuer.jpg

der mond und sein geheimnis

schimmernde wolken
ein dunkelblauer himmel
erhaben vom vollen, kräftigen mond
eine landkarte
die nur die eule lesen kann
nur ein kurzer augenblick
der einblick gewährt
bäume suchen ihre heimat
träume der nachtwachen
fließen entlang der ufer
am grund liegen edelsteine
ländereien der besitzlosen
gleiten vorbei
die mondlose nacht
hütet ein geheimnis
das nur der mond
zu offenbaren weiß

14.02.2014

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:ToniAll_Belastung.jpg?uselang=de

flucht

taub stehen meine füße auf der erde
was ich nur weiß
da ich noch sehen kann
ich atme
was ich nur weiß
weil ich sehe
wie meine brust sich hebt
es vergehen die tage
was ich nur spüre
wenn der schlaf mich bezwingt
ich schlinge
statt zu essen
ich weiß noch nicht
warum
die zeit verrinnt
für alle dinge
es gibt keine flucht
trotz dieser erkenntnis
scheine ich zu fliehen
wovor? und warum?

08.02.2014

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Punch_1843_-_Reichtum_und_Armut.png

winterkorn, teilen!?

seit mein bruder mich fragte
wer wohl am meisten verdient
in unserem land
fiel mir dein name
als zahl ein
staunte selbst
wie lang es gedauert hat
sie auszusprechen
ich in gedanken versunken
fragte er weiter
was du so machst
ich zuckte mit den schultern
ratlosigkeit
am ende reichte mir eine frage
den rettenden ast
aus dem schäumenden meer der maßlosigkeit
welche arbeit rechtfertigt dein salär?
angebot und nachfrage?
arbeitsleistung und -güte?
bekanntheit und vokabular?
konten und kontakte?
kann der mensch selbst
nicht grenze seines reichtums sein?

04.02.2014

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gro%C3%9Fe_Eiche_-_Johann_Georg_Walte_-_Bremen_-_um_1870.jpg

glaube an mich

ich bin angekommen
du wirst mich erkennen
an den zarten, hellgrünen blüten
im frühling
an der krone
die weithin strahlt
die dich zu mir führt
dein weg wird steinig und schwer
aber auch sicherer
mit jedem schritt
denn meine wurzeln
werden ihn dir stärken
wenn du mich berührst
dann wirst du reden können
ich werde dir zuhören
ich gebe dir anlass
in dich zu kehren
du wirst antworten auf deine fragen finden
du kannst weinen und lachen
mein schatten wird dir schutz spenden
und mein stamm wird dich stützen
du findest einen weg an meiner seite
ich strecke meine finger
danach aus
solange du an mich glaubst
werde ich für dich da sein

02.02.2014

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:CarracciHercules.jpg

im angesicht

im angesicht
des zweifels
zwischen zwei menschen
hören die ohren mehr
als die augen sehen

02.02.2014

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Chodowiecki_Basedow_Tafel_25_a.jpg

über leute mit kindern und/oder haustieren

wenn ich so leute seh
die mit ihrem haustier gassi gehen
oder die ihre kinder vor sich her schubsen

ich schreite es den leuten gern in die fresse
dass sie es kapieren
ehe ich mich vergesse:
dein haustier ist nicht dein kind
dein kind nicht dein vieh

beide sind nicht deine „affen“
die auf kommando grimassen machen

31.01.2014

nichts, das ich wüsste

der holocaust
von der menschlichen katastrophe
zur tatsache
zum geschichtskapitel
zur randnotiz
zur erinnerung
ja da war mal was
war da nicht mal was?
nichts, das ich wüsste

27.01.2014

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Der_Asen_Untergang_by_Karl_Ehrenberg.jpg?uselang=de

ohne uns ist sie tot

das volk herrscht doch
und trotzdem
hör‘ ich viele leute schrei’n:
„das darf nicht sein!“
mehr demokratie wagen
habe ich leute reden hören sagen
nur: die es können, wagen es nicht
die sich wagen, können es nicht
bleibt alles ein traum?
die realität indes
zappelt am baum
wir, du und ich
sind ihr gesicht
fehler machen wir
fehlbar ist auch demokratie
sie wird sterben
wenn keiner von uns sie schützt
sie wird zusammenbrechen
wenn keiner von uns sie stützt

24.01.2014

asphalt

wo der asphalt endet
endet auch meine welt
in der ich mich
mit leichtigkeit bewege
förmlich schwebe
wie ein clownfisch
durch das korallenriff
in der salzigen see
unbeschadet all der stürme
die dort oben toben
die massen um sich schmeißen
solange ich mich im unterholz des meeres aufhalte
bin ich sicher, scheinbar:

wo der asphalt endet,
beginnt die ungewissheit,
kargheit und mitleidlosigkeit
thronen draußen
im dunkeln
einmal verirrt
finde ich mich wieder
im leeren ozean
zwischen sand und wasseroberfläche
nichts.
atmen wird meine einzige gewissheit sein
mit etwas pech gerate ich
in einen schwarm treibender algen
in dessen finsternis
ich mich verliere

wo der asphalt endet
stehe ich
die stadt im rücken
vor mir:
die geduldig wartende mutter

22.01.2014

auf meinen schultern

die schneelast
unter der meine schultern ächzen
zehrt an meiner seelenkraft
droht mich zu verletzen

an meinen schuhen
nagt eises kälte
lässt micht nicht ruhen
beim leben das ich wählte

dunkel ist der morgen
spät erst taucht die sonne auf
wenn sie nicht schon ertrinkt
in einem grauen wolkenmeer

ich treibe
wie ein schneetropfen
in der hoffnung
mich irgendwo festzuhalten

ich werde weder brechen
noch stürzen
wäre nicht das erste mal
dass sorgen drohten
mein leben zu verkürzen.

22.01.2014

sterne in der nacht

sterne mit ihren silberstreifen
um dein antlitz kreisen
mich dazu verleiten
vor dir zu verweilen
licht in deiner seele zu sehen
worte zu hauchen
zarte brisen leicht verwehen
gesten zu gebrauchen
die nur liebende verstehen

06.01.2014

und die straßen

die straßen
sind leer
lustlos klotzen laternen
auf’s pflastermeer
stille schleicht auf weichen sohlen
um die häuser
die hohen
die nacht legt ihre schwingen
über die straßenschluchten
die kälte ihre schlingen
in die hintersten häuserbuchten
der wind kickt gelangweilt
eine dose
die straße runter
einen kurzen augenblick nur
wird die ödnis munter
die träge ihren fetten wanst
zur seite schiebt
sich dreht
aufbläht
in der gosse rumliegt

die ersten sonnenstrahlen
krabbeln hinter den dächern hervor
tilgen das schwarz, das grau
suchen nach regung, nach leben
in den hintersten winkeln
jedes mal kehren sie um
enttäuscht
von einer kalten stadt
die seit ewigkeiten
kein leben mehr gesehen hat

06.01.2014

was ist, wenn

träume entzaubern
phänomene erklären
fantasien einfangen
zweifel mehren

ich will
also bin ich frei
wissen wollen
aber glauben bezweifeln
tatsachen feststellen
zutreffendes vom möglichen trennen

in stein meiseln
statt in sand schreiben
das unumstößliche suchen
das vergängliche: bedeutungslos

menschen sterben täglich
die menschen aber
leben ewig

03.01.2014

wie milchhaut

meine seele
wie milchhaut
eingehangen
in einem knochigem gewölbe
halben lebens stärke
holt mich die vergangenheit ein
auch die gegenwart
wirft fragen auf
ich spüre einen reiz
zu weinen
einen drang zu fliehen
ich wanke nur noch nicht
und spüre kein taumeln
warte ich
auf das schlagwetter
das so zutrifft, eintritt
ebenso wie das glück
es donnert
regentropfen klopfen ans fenster
blitze erhellen die dunkelheit
um die meine gedanken kreisen
es ist meistens leichter zu gehen
als zu bleiben

01.01.2014